Reise nach Uganda: Pressebesuch in den Goldminen

Pressebesuch: Vor wenigen Wochen hatte Earthbeat deutsche Journalist*innen dazu eingeladen, sich in Uganda ein Bild von unserer Arbeit zu machen. Mit dabei war auch EB-Beiratsmitglied Lilian von Trapp. Gemeinsam konnten wir zeigen: Alternativen zur Arbeit in den Goldminen können funktionieren.

Earthbeat Pressereise
Die Journalist*innen konnten sich ein Bild von der harten Arbeit in den Goldminen machen.

Ein Problem lässt sich am besten verstehen, wenn man nah dran ist. Auch deswegen ist vielen Menschen in Europa kaum bewusst, wie brisant die Situation für die Goldminenarbeiter*innen im weit entfernten Uganda wirklich ist. Um dem entgegenzuwirken, hat Earthbeat Foundation Journalist*innen zum Pressebesuch eingeladen und gemeinsam  nach Ost-Afrika zur reisen, um sich ein eigenes Bild zu machen und persönlich mit den Menschen in unserer Partnergemeinde in Busia zu reden. Dabei haben sie erfahren: Alternativen zu der sklavenähnlichen Arbeit in den Goldminen sind keine Zukunkftsmusik. Es gibt sie schon und sie funktionieren.

Pressebesuch: Zum ersten Mal in einer Goldmine

Direkt am ersten Tag hieß es: Besichtigung der Goldminen. Bereits hier konnten wir sehen, warum Alternativen so dringend benötigt werden. Gleißende Hitze und aufgerissene Erde. Menschen ohne Schutzkleidung steigen in die durch die gerade beginnende Regenzeit gefluteten Schächte hinab. Per Hand wird das Gestein gemeißelt. Dann wird mit Quecksilber das Gold herausgelöst. Besonders verstörend: Auch eine Frau mit einem kleinen Baby auf dem Rücken arbeitet mit der hochgiftigen Substanz.

Pressebesuch Uganda
Zur Regenzeit sind die Schächte in den Minen oft geflutet.

Trotz dieser Widrigkeiten sind wir mit viel Herzlichkeit und – wie in der Region üblich – mit Tanz empfangen worden. Später sitzen wir zusammen und die Arbeiter*innen berichten von ihrem Alltag. Davon, dass die Minen jederzeit kollabieren können und dass Menschen in die Schächte fallen. Wir erfahren vom niedrigen Sauerstoffgehalt in den Minen, von den daraus resultierenden Atemwegserkrankungen und von den Kindern, die trotz eines geltenden Verbotes in den Minen arbeiten.

Bereits vor dem Pressebesuch in den Goldminen hatten die Journalist*innen aus Deutschland die Gelegenheit, mit der Lokalregierung zu sprechen. Auch für Earthbeat ist es immer wichtig, eine gute Beziehung zu den Behörden zu haben. Doch deren Ressourcen sind begrenzt. Vielleicht werden Verbote zur Kinderarbeit auch deswegen nicht konsequent umgesetzt. Leider es ist schwer zu entscheiden, wo fehlender Wille die Missstände begünstigt und an welcher Stelle es einfach am Geld liegt.

Praktikable Alternativen für mehr Selbstbestimmung

Der Schock über die Situation saß den meisten noch tief in den Gliedern, als wir unseren Mitreisenden am nächsten Tag zeigen konnten: Es geht auch anders. Gold ist eine endliche Ressource und schon allein deswegen müssen realistische Einkommensalternativen geschaffen werden. Dabei gibt es viele Aspekte zu beachten: Der Goldabbau hat die Umwelt stark beschädigt. Außerdem verhindern strukturelle Probleme jede Art von sozialer Absicherung. Daher bauen die Aktionen von Earthbeat auf drei Säulen: Bildung, Nachhaltigkeit, Netzwerke.

Earthbeat Beiratsmitglied Lilian von Trapp zusammen mit einer Gruppe von Minenarbeiter*innen.

Wie diese Aspekte in der Praxis zusammenwirken können, zeigt unser Heartbeat Honey Projekt. 80 Goldminenarbeiter*innen sind von unserer Partnerorganisation The Hive zu Imkern ausgebildet worden. Nach dem verstörenden Besuch in der Goldmine boten die professionell betriebenen Bienenstöcke ein überzeugendes Kontrastprogramm. Gemeinsam mit The Hive Leiterin Mable Charity Namala und einer der Minenarbeitergruppen ging es dann zum gemeinsamen Mittagessen. Eine gute Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten. Mable und die Imker sprachen über die Fortschritte und Erfolge des Projektes und über die Herausforderungen für die Zukunft. Honig gab es natürlich auch zu kosten.

Earthbeat press trip
The first seeds for our new project Heartbeat Garden are planted.

Natürlich präsentierten wir auch unser kürzlich gestartetes Projekt Heartbeat Garden. 25 Menschen lernen im Zeitraum eines Jahres alles wichtige zum Thema Permakultur und nachhaltige Landwirtschaft. Unser neues Beiratsmitglied Lilian von Trapp und ihr Unternehmen unterstützen uns maßgeblich bei diesem Vorhaben. Die ersten Spatenstiche sind gemacht, die ersten Samen gepflanzt. Unser Implementierungspartner SVR (Sustainable Village Ressource) aus Kenia hat viel Erfahrung nicht nur was die Schulung, sondern auch den Vertrieb von Bio-Kaffee angeht – für unsere Teilnehmer*innen ein großer Vorteil. Denn wie bei Heartbeat Honey geht es auch hier darum, sich mit einem wettbewerbsfähigen Produkt auf dem Markt zu behaupten. Heartbeat Garden schließt nicht nur in diesem Punkt sinnvoll an das Imkereiprojekt an. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Flächen hilft dabei, die Umwelt zu restaurieren. Dann wachsen Pflanzen, die von Bienen bestäubt und ihnen gleichzeitig Nahrung bieten. Daraus entsteht neuer Honig. Der Kreislauf schließt sich.

Gespräche mit der Minenlobby

Nach den vielen Eindrücken hatten die Pressereisenden aus Deutschland Fragen. Einige davon konnten sie Vertretern der UCMP (Uganda Chamber of Mines and Petroleum) stellen. Hauptthema hier: Was tut die Lobbyorganisation zum Schutz der Minenarbeiter in Uganda, von denen 99 Prozent illegal arbeiten? Die Antwort fiel wenig zufriedenstellend aus. Zwar gibt es Bemühungen alle Arbeiter*innen zu registrieren, doch die ugandischen Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Hinzukommt, dass große Firmen sich Minen in ressourcenreichen Teilen des Landes sichern und kleinhandwerkliche Unternehmen vertreiben. Landgrabbing nennt man das.

Mit vielen Interviews und nachhaltigen Eindrücken im Gepäck sind unsere Mitreisenden inzwischen wieder in Deutschland. Wir freuen uns auf ihre Arbeiten. Denn auch in Europa benötigen wir ein differenziertes Bild über die Situation der Goldminenarbeiter*innen. Schließlich gilt: Nur die richtige Information führt auch zur richtigen Handlung.